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Ablauf einer Scheidung in der Schweiz - Das sollten Sie wissen

  • Redaktion Familienrechtsinfo.ch
Finger zeigt auf Scheidungsvertrag
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Laut Statistik lassen sich rund 40% der Ehepaare in der Schweiz wieder scheiden. Abhängig davon ob man sich im einvernehmen oder im Streit scheiden lässt, gibt es unterschiedliche Scheidungsabläufe. Erfahren Sie in diesem Beitrag alles zum Thema Ablauf bei einer Scheidung auf gemeinsames Begehren sowie zum Ablauf bei einer strittigen Scheidung in der Schweiz. Des Weiteren erhalten Sie einen Überblick über den Scheidungsablauf vor Gericht sowie welche Unterlagen man im Scheidungsprozess benötigt.  

Das Wichtigste in Kürze:

  • Scheidung auf gemeinsames Begehren

Die Ehescheidung mit den niedrigsten Kosten ist die einvernehmliche Scheidung oder „Scheidung auf gemeinsames Begehren“. Möchten beide Ehegatten die Scheidung einreichen und besteht gegenseitiges Einvernehmen über die Scheidung selbst und alle Nebenfolgen der Scheidung, dann ist eine Scheidung auf gemeinsames Begehren möglich. Hierfür müssen Sie mit Ihrem Ehepartner gemeinsam eine Scheidungskonvention verfassen, in welcher Sie die Folgen der Scheidung (Unterhalt, Sorgerecht, Ehewohnung, Teilung der Güter) formulieren.

  • Unterlagen für die Scheidung auf gemeinsames Begehren

Abhängig vom Gericht müssen Sie unterschiedliche Unterlagen für die Scheidung auf gemeinsames Begehren vorlegen. Informieren Sie sich beim zuständigen Gericht oder nehmen Sie eine Rechtsberatung wahr. Grundsätzlich sollten Sie folgende Unterlagen bereithalten: Scheidungsbegehren, Scheidungskonvention und Unterlagen zu den persönlichen und finanziellen Verhältnissen der Ehegatten.

  • Unterlagen zu den persönlichen und finanziellen Verhältnissen?

Zu den Unterlagen zu den persönlichen und finanziellen Verhältnissen zählen das Familienbüchlein, Einkommensnachweise, Lohnausweise, Steuererklärung inkl. Belege, Mietvertrag, Bedarfsrechnung und Pensionskassenauszüge.

  • Scheidungsbegehren und Scheidungskonvention

Das Scheidungsbegehren ist das Dokument, das alle Personalien der Ehepartner beinhaltet und deklariert, ob die Nebenfolgen der Scheidung von den Eheleuten selbst festgelegt werden oder nicht. Entscheiden sich die Ehegatten, die Nebenfolgen selbst zu deklarieren, werden diese in der Scheidungskonvention verschriftlicht. Diese regelt Sorgerecht, Besuchsrecht, Kindesunterhalt, nachehelichen Unterhalt und Vermögensaufteilung.

  • Dauer der Scheidung

Die Dauer der Scheidung auf gemeinsames Begehren beträgt zwischen 1 – 6 Monaten. Grundsätzlich ist der Ablauf einer Scheidung in der Schweiz auf gemeinsames Begehren relativ zügig, sofern es sich nicht um eine strittige Scheidung handelt.

  • Die Teilkonvention

Sind sich die Eheleute nur bezüglich der Scheidung einig, nicht aber über sämtliche Nebenfolgen der Scheidung, dann können sie eine einvernehmliche Scheidung einreichen, die zusätzlich eigene Anträge zu den strittig gebliebenen Nebenfolgen beinhaltet. Über die geeinigten Nebenfolgen kann eine Teilkonvention geschlossen und vom Gericht genehmigt werden.

  • Ablauf der strittigen Scheidung in der Schweiz

Eine Scheidungsklage wird dann eingereicht, wenn nur einer der beiden Eheleute die Scheidung möchte. Damit sich die Ehepartner im Rahmen einer strittigen Scheidung trennen können, muss entweder ein zweijähriges Trennungsjahr vor der Scheidungvorliegen oder das Fortbestehen der Ehe für den klagenden Ehepartner unzumutbar sein. Um eine Ehe aufgrund von Unzumutbarkeit zu scheiden, müssen schwerwiegende Gründe wie körperliche oder seelische Misshandlung, eine mehrjährige aussereheliche Beziehung, Stalking oder schwerwiegende Belästigung nachgewiesen werden. 

Ablauf einer Scheidung auf gemeinsames Begehren

Die unkomplizierteste Scheidung mit den niedrigsten Kosten ist die einvernehmliche Scheidung oder „Scheidung auf gemeinsames Begehren“. Eine Gegenüberstellung der Kosten einer Scheidungerhalten finden Sie im Artikel „Kosten einer Scheidung“. Beachten Sie auch, dass die Gerichtsgebühren von Kanton zu Kanton variieren können. Eine Recherche lohnt sich, um Kosten für die Scheidung zu sparen.  

Wünschen beide Ehegatten die Auflösung der Ehe, dann kann die Scheidung auf gemeinsames Begehren in der Schweiz vollzogen werden. Hierbei ist es nicht notwendig die Scheidungsgründe darzulegen. Besteht gegenseitiges Einvernehmen über die Scheidung selbst und alle Nebenfolgen der Scheidung, dann kann die Ehe geschieden werden. Verfassen Sie gemeinsam mit Ihrem Ehepartner eine Scheidungskonvention, in welcher Sie die Folgen der Scheidung (Unterhalt, Sorgerecht, Ehewohnung, Teilung der Güter) formulieren.

Diese Vereinbarung oder Scheidungskonvention müssen Sie mit einem schriftlichen Gesuch – dem Scheidungsbegehren – beim zuständigen Gericht einreichen. Viele Gerichte bieten Mustervorlagen an, welche Sie einfach ausdrucken können. Sie können aber auch selbst einen Brief aufsetzen und darin zum Ausdruck bringen, dass Sie sich scheiden lassen wollen. Wichtig ist hierbei, dass beide Ehegatten den Brief unterschreiben.

Unterlagen für die Scheidung auf gemeinsames Begehren

Je nach Gericht kann es sein, dass Sie unterschiedliche Unterlagen für die Scheidung auf gemeinsames Begehren vorlegen müssen. Informieren Sie sich beim zuständigen Gericht oder lassen Sie sich von einem spezialisierten Scheidungsanwalt beraten.

Möchten Sie die Scheidung einreichen, dann müssen Sie bei den meisten Gerichten folgende Unterlagen vorlegen:

  • Das Scheidungsbegehren, das von beiden Ehegatten unterschrieben wurde.
  • Die Scheidungskonvention, die von beiden Ehegatten unterschrieben wurde.
  • Unterlagen zu den persönlichen und finanziellen Verhältnissen und dem Vermögensstand der Ehegatten.

Als Unterlagen zu den persönlichen und finanziellen Verhältnissen zählen:

  • Das Familienbüchlein bzw. Attest für Ausländer
  • Einkommensnachweise
  • Lohnausweise
  • Buchhaltung für Selbstständige
  • Die Steuererklärung inkl. Belege
  • Bei einem Mietverhältnis muss der Mietvertrag vorgelegt werden.
  • Belege für die monatlich wiederkehrenden Ausgaben (Bedarfsrechnung)
  • Pensionskassenauszüge

Was versteht man unter Scheidungsbegehren und Scheidungskonvention?

Möchte man die Scheidung einreichen, dann sind das Scheidungsbegehren und die Scheidungskonvention notwendig. Was versteht man unter Scheidungsbegehren und Scheidungs-konvention? Das Scheidungsbegehren ist das Dokument, das alle Personalien der Ehepartner beinhaltet und deklariert, ob die Eheleute die Nebenfolgen der Scheidung selbst vereinbaren oder das Gericht die Entscheidung übernimmt.

Entscheiden sich die Ehegatten, die Nebenfolgen selbst zu deklarieren, dann werden diese in der Scheidungskonvention verschriftlicht. Die Scheidungskonvention regelt das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder, das Besuchsrecht, den Kindesunterhalt, den nachehelichen Unterhalt, die Aufteilung der Ehewohnung, die beruflichen Vorsorgen, die Gütertrennung und die Vermögensaufteilung

Eine Scheidungskonvention können Sie beim Rechtsanwalt für Familienrecht oder bei einem Mediator verfassen lassen.

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Anwaltspflicht bei der Scheidung auf gemeinsames Begehren?

Besteht eine Anwaltspflicht bei der Scheidung auf gemeinsames Begehren? Im Grunde genommen, verlangt das Gesetz nicht, dass Sie einen Scheidungsanwalt beauftragen. Allerdings empfehlen wir Ihnen, für eine ausführliche und individuelle Rechtsberatung einen Scheidungsexperten zu konsultieren, um die notwendige Rechtssicherheit zu erlangen. 

Bei einer Scheidung geht es um Ihre finanzielle Zukunft und das Sorge- und Kontaktrecht Ihrer gemeinsamen Kinder. Ein Rechtsanwalt für Familienrecht kann Sie über Ihre Unterhaltsansprüche informieren und Ihnen bei der gerechten Aufteilung des ehelichen Vermögens behilflich sein. Ein Erstgespräch ist meist schon zwischen 200 und 300 CHF erhältlich und zahlt sich meist aus. In unserer Anwaltssuche finden Sie in nur wenigen Minuten den passenden Scheidungsanwalt in Ihrer Nähe.

  • Sie brauchen noch Tipps, wie Sie den besten Scheidungsanwalt finden? Dann sollten Sie unseren Artikel „Wie finde ich einen guten Scheidungsanwalt? – 15 Tipps“ lesen!
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Ablauf der Scheidung vor Gericht

Der Ablauf einer Scheidung vor Gericht verläuft bei gemeinsamen Begehren recht zügig. Das Gericht prüft lediglich, ob der Scheidungswille bedacht und unbeeinflusst ist. Liegt eine Einigung bezüglich des Scheidungspunkts und den Nebenfolgen einer Scheidung vor, bewilligt das Gericht das Gesuch. 

Andernfalls müssen Sie gegebenenfalls zu einer weiteren Anhörung, um Ihren Scheidungswillen zu bekräftigen. Dies ist jedoch seltener der Fall. Sobald die Scheidungskonvention vom Gericht genehmigt ist, gilt die Scheidung als rechtsgültig. Somit ist die Konvention entscheidend für das Gerichtsurteil, das die Kinderbelange, Alimente und den nachehelichen Unterhalt bestimmt.

Dauer der Scheidung auf gemeinsames Begehren

Die Dauer der Scheidung auf gemeinsames Begehren beträgt zwischen einem und sechs Monaten, wobei die zweimonatige Bedenkfrist am 1. Februar 2010 abgeschafft wurde. Grundsätzlich ist der Ablauf einer Scheidung in der Schweiz relativ zügig, sofern es sich nicht um eine strittige Scheidung handelt.

Die Teilkonvention

Sind sich die Eheleute jedoch nur bezüglich der Scheidung einig, nicht aber über sämtliche Nebenfolgen der Scheidung, dann können sie beim Gericht eine Scheidung auf gemeinsames Begehren mit eigenen Anträgen zu den strittig gebliebenen Nebenfolgen einreichen. Über die geeinigten Nebenfolgen können die Eheleute eine sogenannte Teilkonvention schliessen, die vom Gericht genehmigt werden muss. Über die strittig gebliebenen Nebenfolgen entscheidet dann das zuständige Gericht.

Die Scheidungsklage bei strittiger Scheidung

Die Scheidungsklage bei strittiger Scheidung wird dann eingereicht, wenn nur einer der beiden Eheleute die Scheidung möchte. Bei Unstimmigkeit bezüglich der Scheidung selbst ist auch der Ablauf der Scheidung in der Schweiz anders und wesentlich länger. 

Meist wird um das Sorgerecht der Kinder, die Aufteilung der Ehewohnung und die Vermögensaufteilung gestritten, was das Scheidungsverfahren in die Länge ziehen kann. Damit sich die Ehepartner bei einer strittigen Scheidung trennen können, muss entweder ein zweijähriges Trennungsjahr vor der Scheidung vorliegen oder das Fortbestehen der Ehe für einen der beiden Eheleute unzumutbar sein.

Kann eine Trennung nicht im Einvernehmen vollzogen werden, dann ist das Eheschutzgericht zu beauftragen. Bevor der klagende Ehepartner jedoch die Scheidung einreichen kann, muss er ein sogenanntes Aussöhnungsbegehren an das Gericht stellen. Ist die Scheidungsklage beim Gericht eingegangen, wird das Gericht vor der Abwicklung einen Kostenvorschuss verlangen.

Trennungsjahr bei der Scheidung

Auch während des Trennungsjahrs bei der Scheidung muss die finanzielle Situation der Eheleute geregelt sein. Hierbei muss vor allem der nacheheliche Unterhalt geregelt werden. Sofern sich die Eheleute einig sind, können sie die Regelungen selbst vornehmen und in einem Vertrag festhalten. Bei Unstimmigkeiten hilft der Eheschutzrichter weiter, wobei die Regelungen des Eheschutzrichters für beide Parteien verbindlich ist. 

Dies gilt aber nur für die Zeit der vierjährigen Trennung und die Dauer der Scheidungbzw. eines nachfolgenden Scheidungsverfahrens. Eine abschliessende Vermögensaufteilung findet erst bei der Scheidung durch die zuständigen Gerichte selbst statt. Das Trennungsjahr der Scheidung ist beendet, wenn die Scheidung vollzogen ist oder die Partner wieder zusammenziehen.

Beide Eheleute sollten eine Scheidung auf gemeinsames Begehren anstreben, da die Kosten der einvernehmlichen Scheidung um ein Vielfaches geringer sind. Ebenso beschleunigt sich die Dauer der Scheidung erheblich, wodurch Sie sich Ärger, Zeit und Nerven sparen. Eine günstige Alternative zur aussergerichtlichen Konfliktbewältigung ist die Mediation.

Unzumutbarkeit als Scheidungsgrund

Um eine strittige Scheidung einreichen zu können und Unzumutbarkeit als Scheidungsgrund anzugeben, müssen die Gründe schwerwiegend sein. Unzumutbarkeit wird vom Gericht in der Schweiz akzeptiert, wenn körperliche oder seelische Misshandlung des klagenden Ehegatten oder der Kinder vorliegt, oder eine schwere Straftat begangen worden sein. 

Weitere Gründe sind schwere Ehr- und Persönlichkeitsverletzungen, schwerwiegende Belästigung, Stalking, eine mehrjährige aussereheliche Beziehung, Scheinehen, Zwangsehen oder eine lasterhafte Lebensführung (Prostitution, Zuhälterei).

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Welche Fragen stellt der Richter bei einer Scheidung?

Welche Fragen stellt der Richter bei einer Scheidung? Nachdem man die Scheidung einreicht, lädt das Gericht zur gemeinsamen Anhörung ein und überzeugt sich davon, dass der Scheidungswunsch und die getroffenen Vereinbarungen beider Eheleute auf freiem Willen beruhen. Insbesondere bei Sorgerechtsfragen und Fragen zur Obhut schaut das Gericht genauer hin. 

Dabei begutachtet das Gericht kritisch, ob die Scheidungskonvention vollständig und gerecht ist. Nach Prüfung der Angemessenheit der Scheidungsvereinbarungen spricht der Richter die Scheidung aus.

Wege zu einer einvernehmlichen Lösung

Es führen mehrere Wege zu einer einvernehmlichen Lösung, der einfachste ist selbstverständlich die gemeinsame Einigung in einer Scheidungskonvention. Diese arbeiten die Ehegatten selbst aus und regeln alle Nebenfolgen der Scheidung. Insbesondere ratsam ist dies für Ehegatten ohne Kinder mit einfachen bzw. ähnlichen Vermögensverhältnissen. 

Sind sich die Ehegatten in allen Punkten einig, benötigen sie keinen Mediator oder weitere Hilfe. Allerdings ist es ratsam einen Scheidungsanwalt zu konsultieren, um die gemeinsam erarbeitete Scheidungskonvention überprüfen zu lassen. Hierbei ist es den Eheleuten freigestellt, ob sie dies einzeln oder gemeinsam erledigen. Um Anwaltskosten zu sparen, ist es empfehlenswert, den gleichen Scheidungsanwalt gemeinsam aufzusuchen.

Komplizierte Vermögensverhältnisse und Unstimmigkeiten

Bei komplizierten Vermögensverhältnissen und Unstimmigkeiten sollten Sie unbedingt professionelle Hilfe konsultieren, um die Scheidungskonvention aufzusetzen. Bei Bedarf können auch einige Punkte der Scheidungskonvention offen gelassen werden, falls sich die Eheleute darin nicht einig sind. Das Scheidungsgericht entscheidet in diesem Fall über die offenen Punkte. Dies ist die sogenannte Teilkonvention.

Ist nach diesen Versuchen, die Scheidung auf gemeinsames Begehren nicht möglich, müssen gerichtliche Wege eingeleitet werden. Ein strittiges Verfahren kompliziert den Ablauf einer Scheidung in der Schweiz erheblich. Je nach Komplexität und Dauer der Scheidung, können die Kosten für eine Scheidung im strittigen Verfahren, insbesondere im Hinblick auf die Anwalts- und Gerichtskosten, stark variieren. Lassen Sie sich von einem Scheidungsanwalt in der Schweiz bezüglich Kosten und Ablauf der Scheidung ausführlich beraten. Ein Erstgespräch ist meist zum erschwinglichen Preis von unter 300 CHF erhältlich.  

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