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Scheidungsklage in der Schweiz - Worauf muss ich achten?

Paar ignoriert sich nach Streit
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Eine Scheidungsklage ist immer dann notwendig, wenn eine Scheidung auf gemeinsames Begehren nicht möglich ist. Dies ist dann der Fall, wenn ein Ehepartner sich nicht scheiden lassen möchte. 

Eine Scheidung auf einseitiges Begehren ist im Grunde genommen komplexer im Scheidungsablauf und mit höheren Scheidungskosten verbunden, da das Scheidungsverfahren umfangreicher ist. Darüber hinaus ist die Dauer der Scheidung auf einseitiges Begehren beachtlich länger.

Was ist der Unterschied zwischen einem Scheidungsantrag und einer Scheidungsklage? Wie lange ist die Dauer für eine Scheidung auf Klage? 

Der folgende Artikel informiert Sie über alle wichtigen Aspekte der Scheidungsklage in der Schweiz und geht dabei auf die Unterschiede zwischen Scheidungsklage und Scheidungsantrag ein.

Inhaltsverzeichnis

Wann ist eine Scheidung auf gemeinsames Begehren mit Scheidungsantrag möglich?

Sind sich beide Eheleute einig und wünschen die Scheidung auf gemeinsames Begehren, können Sie die Scheidung einreichen, indem Sie einen Scheidungsantrag stellen und eine Scheidungskonvention über die Scheidungsfolgen (Kindesunterhalt, nachehelicher Unterhalt, Versorgungsausgleich, Vermögensaufteilung, Sorgerecht) aufstellen. Eine Scheidung auf gemeinsames Begehren ist auch dann möglich, wenn die Eheleute sich nur teilweise über einige Scheidungsfolgen einig sind. 

Diese können dann vor Gericht im Scheidungsverfahren verhandelt werden. Nicht möglich ist eine unstrittige Scheidung immer dann, wenn ein Ehepartner der Scheidung nicht zustimmt. 

In diesem Fall muss ein Trennungsjahr von 2 Jahren abgewartet werden, um die Scheidung einreichen zu können. Hierfür ist eine Scheidungsklage notwendig.  

Die Scheidung auf einseitiges Begehren mit Scheidungsklage

Ist eine Scheidung auf gemeinsames Begehren nicht möglich, muss eine Scheidungsklage eingereicht werden. Allerdings unterscheidet der Gesetzgeber bei der Scheidungsklage zwischen zwei unterschiedlichen Klagegründen.

  1. Dem Klagegrund nach zweijähriger Trennung
  2. Der Klagegrund bei Unzumutbarkeit

Grundsätzlich ist eine Scheidung auf einseitiges Begehren erst nach einer zweijährigen Trennungsfrist möglich, doch nicht immer ist diese Trennungsphase möglich. Die Trennungsfrist von 2 Jahren muss zunächst eingehalten werden, kann aber aufgrund schwerwiegender Gründe und Unzumutbarkeit entfallen.

Die Scheidung auf Klage und das Zerrüttungsprinzip

Die Scheidungsgründe bei der Scheidung auf Klage basieren auf dem Zerrüttungsprinzip und gewähren eine Scheidung aufgrund der Annahme, dass die Ehe endgültig zerrüttet ist. 

Nach einer zweijährigen Trennung geht man davon aus, dass die Ehe nicht mehr fortgesetzt werden kann. Grundsätzlich wird versucht eine einvernehmliche Scheidung – Scheidung auf gemeinsames Begehren – zu erzielen. 

Daher steht auch bei der Scheidung auf Klage weniger die Verschuldensfrage im Fokus, sondern mehr oder weniger die Zerrüttung.

Die Scheidungsklage mit Trennungsjahr in der Schweiz

Sofern die Eheleute seit zwei Jahren getrennt voneinander leben, kann jeder die Scheidungsklage einreichen. Selbst dann, wenn ein Ehepartner sich nach wie vor nicht scheiden lassen möchte. 

Man geht nach 2 Jahren davon aus, dass die Ehe zerrüttet ist. Sobald diese Frist abgelaufen ist, kann sich der andere Ehepartner nicht mehr gegen die Scheidung wehren. Die Einhaltung der Trennungszeit muss vom klagenden Ehepartner bewiesen werden.

Demgegenüber ist es auch nicht möglich, die Scheidungsklage vor Ablauf der Trennungsfrist von zwei Jahren einzureichen. Wird die Klage früher eingereicht, wird sie abgewiesen. Dies ist mit erhöhten Scheidungskosten verbunden. 

Wurde die Scheidung wegen Unzumutbarkeit eingereicht und ist die Trennungszeit verstrichen, darf das Gericht die Scheidung aussprechen.

Wann beginnt das Trennungsjahr in der Schweiz?

Das Trennungsjahr beginnt prinzipiell dann, wenn ein Ehepartner das eheliche Zusammenleben nicht fortsetzen möchte. Dabei muss der gemeinsame Haushalt aufgelöst werden und die Ehepartner dürfen nicht mehr in einer körperlich, geistig-seelischen und wirtschaftlichen Lebensgemeinschaft leben. 

Vereinzelte Besuche, unregelmässige finanzielle Unterstützung, die Zusammenarbeit für die Kinder und einzelne geschlechtliche Kontakte unterbrechen die Trennungszeit aber nicht. Auch ein kurzweiliger Versöhnungsversuch steht der Frist nicht im Wege. Lassen Sie sich diesbezüglich von einem Rechtsanwalt für Scheidungsrecht beraten!

Die Scheidungsklage bei Unzumutbarkeit

Grundsätzlich müssen die Ehepartner die Trennungszeit von zwei Jahren einhalten bevor sie die Scheidung einreichen können. Liegt allerdings eine Unzumutbarkeit vor, kann die Trennungszeit übersprungen werden. 

Hierfür müssen schwerwiegende Gründe vorliegen, dass die Scheidungsklage vom Gericht genehmigt wird. Wichtig ist dabei, dass die Gründe nicht dem klagenden Ehepartner zuzuschreiben sind. Hinsichtlich der Bemessung der Schwere der Gründe ist die Ehegeschichte und das Verschulden relevant. 

Der Scheidungsgrund und das Verschulden sind im Schweizer Recht im Grunde genommen subsidiär und stellen eine Ausnahme dar, doch unter bestimmten Umständen spielen sie eine entscheidende Rolle. Ein schwerwiegender Grund kann demnach die Gewalttätigkeit eines Ehepartners sein. Man unterscheidet zwischen drei Fallgruppen:

  1. Die Fortsetzung der Ehe ist aus objektiven Gründen nicht mehr zumutbar (Krankheit).
  2. Die physische und psychische Integrität ist durch das Verhalten beeinträchtigt (schweres Verbrechen, nach dem Leben trachten, unehrenhafter Lebenswandel).
  3. Missbräuchliche Eheschliessungen (z.B. zum Erhalt der Aufenthaltsgenehmigung).  

Ein Ehebruch reicht hingegen nicht aus bei einer Scheidung auf Klage wegen Unzumutbarkeit.

Was geschieht nachdem die Scheidungsklage eingereicht wurde?

Nachdem die Scheidungsklage beim Gericht eingereicht wurde, hat der andere Ehepartner die Möglichkeit, sich hierzu zu äussern. 

Das Gericht führt dann nachdem Eingang der Klage eine Einigungsverhandlung durch, bei welcher das Gericht klären muss, ob ein Scheidungsgrund vorliegt oder nicht. Liegt ein Scheidungsgrund vor, versucht das Gericht eine Vereinbarung bezüglich der Scheidungsfolgen (Sorgerecht, Kindesunterhalt, nachehelicher Unterhalt) zu erzielen. 

Im Anschluss spricht das Gericht die Scheidung aus. Sollte die Verhandlung jedoch keine Einigung erzielen, dann fordert das Gericht eine schriftliche Klagebegründung an. Anschliessend verhandelt das Gericht über die Scheidung und die Nebenfolgen.  

Zustimmung bei der Scheidungsklage – was nun?

In einigen Fällen kann es auch passieren, dass ein Ehepartner der Scheidungsklage des anderen zustimmt. In diesem Fall besteht über die Scheidung im eigentlichen Sinne Einigkeit. Strittig sind demnach nur die Scheidungsfolgen, sodass die Bestimmungen der Scheidung auf gemeinsames Begehren angewendet werden können.

Dauer der Scheidung auf Klage – Wie lange dauert eine Scheidung, wenn einer nicht einwilligt?

Wie lange dauert die Scheidung in der Schweiz? Die Dauer einer Scheidung auf Klage wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst und ist demnach abhängig davon, inwieweit sich die Eheleute bezüglich der Nebenfolgen einig sind.  

Selbstverständlich handelt es sich bei der Scheidung auf gemeinsames Begehren um die schnellste und kostengünstigste Variante.  

Je nach Komplexität kann sich die strittige Scheidung über mehrere Jahre hinziehen oder bereits nach einigen Monaten beendet sein. Kann das Trennungsjahr aufgrund der Unzumutbarkeit ausgelassen werden, ist das Scheidungsverfahren schneller.

Wann wird eine Scheidungsklage abgewiesen?

Eine Scheidungsklage kann selbstverständlich auch abgewiesen werden. Dies geschieht meist dann, wenn die Trennungsfrist von zwei Jahren nicht verstrichen ist oder formale Fehler in der Klage vorhanden sind. 

Es kam bereits vor, dass eine Scheidungsklage zwei- bis dreimal abgewiesen wurde, da formale Fehler in der Klage waren oder Rechtsbegehren nicht genannt wurden. Beispielsweise reicht kein pauschaler Antrag auf Vornahme der güterrechtlichen Auseinandersetzung oder Regelungen der Scheidungsfolgen aus. 

Ebenso sind detaillierte Rechtsbegehren zu stellen, die erhoben werden können. Darüber hinaus müssen Anträge auf Geldleistungen (nachehelicher Unterhalt, güterrechtliche Ausgleichszahlungen) beziffert werden.
Um ein rechtskräftiges Scheidungsurteil einzureichen, sollten Sie sich ausführlich von einem Anwalt für Familienrecht beraten lassen. Er ist Ihnen bei der Erstellung des Klageschreibens behilflich, informiert Sie über Vor- und Nachteile und zeigt Ihnen Schwierigkeiten auf. 

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