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Scheidungsantrag in der Schweiz - Infos, Kosten und Vorgehensweise

Paar sitzt beim Anwalt mit Scheidungspapiere
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Wer soll den Scheidungsantrag stellen? Im Rahmen einer Scheidung auf gemeinsames Begehren muss das Ehepaar gemeinsam einen Scheidungsantrag und eine Scheidungskonvention einreichen. Beide Ehepartner müssen auf gemeinsamen Wunsch die Scheidung einreichen. Die Scheidungsklage ist hingegen nur bei einer Scheidung auf einseitiges Begehren nach Ablauf der beiden Trennungsjahre notwendig.

Wie kann ich den Scheidungsantrag einreichen? Was kostet ein Scheidungsantrag? Nachfolgende erläutern wir Ihnen, wie die Scheidung durch einen Scheidungsantrag in der Schweiz in die Wege geleitet wird und was Sie hierbei beachten müssen. 

Inhaltsverzeichnis

Scheidung auf gemeinsames Begehren

Nicht nur bei einer Scheidung mit Kindern, sondern auch bei einer Scheidung ohne Kinder ist eine einvernehmliche Lösung anzustreben. Darüber hinaus ist der Ablauf der Scheidung auf gemeinsames Begehren unkomplizierter, die Dauer kürzer und die Scheidungskosten erheblich geringer. 

Durch eine Scheidung auf gemeinsames Begehren lässt sich die Ehe durch einen Scheidungsantrag beider Ehepartner auflösen. Allerdings müssen hierfür beide mit der Scheidung einverstanden sein. Ein Scheidungsantrag muss mit einer Scheidungskonvention eingereicht werden, in welcher alle notwendigen Nebenfolgen der Scheidung geregelt sind. 

Werden Fragen zum Unterhalt bei der Scheidung in der Schweiz geregelt, können diese schriftlich in der Scheidungskonvention festgehalten werden. 

Die Scheidung auf gemeinsames Begehren ist auch dann möglich, wenn sich die Ehepartner nur teilweise über die Scheidungsfolgen (nachehelicher Unterhalt, Sorgerecht, Alimente) einig sind.  

Der Scheidungsantrag

Bei einer Scheidung auf gemeinsames Begehren müssen beide Ehepartner ihren Scheidungswunsch im Scheidungsantrag darlegen. 

Mit einem schriftlichen Scheidungsbegehren müssen Sie ihren Antrag beim zuständigen Gericht einreichen. Einige Gerichte bieten Formulare für die Scheidung, allerdings können Sie auch einen einfachen Brief verfassen, in dem Sie ihren Scheidungswunsch deutlich machen. 

Je nach individueller Situation müssen Sie ihrem Gesuch noch weitere Unterlagen beilegen.

Die gemeinsamen Vereinbarungen über die Nebenfolgen der Scheidung verschriftlichen Sie in der Scheidungskonvention, die Sie dem Richter zur Prüfung vorlegen müssen. Laut Gesetz müssen Sie keinen Anwalt engagieren, allerdings ist es mehr als ratsam. 

Ein Anwalt kann Ihnen beim Formulieren der Scheidungskonvention behilflich sein und Sie über Ihre Rechte und Pflichten aufklären. Somit wird die Scheidungskonvention mit Sicherheit vom Richter genehmigt.

Die Scheidungskonvention

Bei der Scheidungskonvention handelt es sich um eine einvernehmliche Vereinbarung zwischen den Ehepartnern, welche die Nebenfolgen der Scheidung beinhaltet. In der Scheidungskonvention werden die Belange der Kinder und die finanziellen Folgen der Scheidung geregelt. 

Es werden Vereinbarungen für das Sorgerecht, das Besuchsrecht, den Ehegattenunterhalt, die Vermögensaufteilung, den Verbleib der Ehewohnung und den Kindesunterhalt getroffen. Besonders wichtig sind in der Scheidungskonvention die Vereinbarungen über die Kinderbelange, denn diese prüft das Gericht besonders genau.

Die Scheidungskonvention muss folgende Regelungen beinhalten:

Wer soll den Scheidungsantrag stellen?

Den Scheidungsantrag stellen die beiden Ehepartner gemeinsam und müssen ihn daher beide unterschreiben. 

Im Scheidungsantrag in der Schweiz muss das Scheidungsbegehren beider Ehepartner ersichtlich sein. Möchte sich ein Ehepartner nicht scheiden lassen, kann der scheidungswillige Ehepartner nur eine Scheidungsklage nach einer zweijährigen Trennungsphase einreichen. 

Bei einer Scheidung auf gemeinsames Begehren müssen die Ehepartner den Scheidungsantrag gemeinsam verfassen und einreichen. Zusätzlich ist die gemeinsam verfasste Scheidungskonvention über die Scheidungsfolgen notwendig.

Wann kann ich den Scheidungsantrag einreichen?

Anders als bei der Scheidung auf einseitiges Begehren gibt es bei der einvernehmlichen Scheidung keine Frist oder vorangehende Trennungszeit. Daher kann der Scheidungsantrag unmittelbar eingereicht werden, wenn die Ehepartner sich einig sind. 

Nur bei der Scheidung auf einseitiges Begehren ist eine zweijährige Trennungsphase notwendig, um die Scheidungsklage einreichen zu können.  

Was kostet ein Scheidungsantrag?

Grundsätzlich sind die Scheidungskosten bei einer einvernehmlichen Scheidung erheblich geringer als bei einer Scheidung auf einseitiges Begehren. 

Die Kosten für die Scheidung auf gemeinsames Begehren tragen die Ehepartner gemeinsam, allerdings kann individuell auch eine andere Lösung zwischen den Ehepartnern vereinbart werden. Die Gerichtskosten werden in der Regel geteilt und die Anwaltskosten werden ebenfalls gemeinsam getragen, wobei jeder für die Kosten des eigenen Anwalts aufkommt. 

Mithilfe der Scheidungskonvention können aber auch andere Zahlungsvereinbarungen getroffen werden.  

Die Gerichtskosten sind dabei von Kanton zu Kanton verschieden. Anhand der nachfolgenden Tabelle können Sie einen Einblick in die minimalen Gerichtskosten für eine Scheidung auf gemeinsames Begehren mit vorliegender Scheidungskonvention erhalten.

Kanton

Gerichtskosten

Aargau

1800 CHF

Appenzell-Innerrhoden

1600 CHF

Appenzell-Ausserrhoden

1200 CHF

Bern

1800 CHF

Basel-Landschaft

1700 CHF

Basel-Stadt

  830 CHF

Glarus

1800 CHF

Graubünden

1500 CHF

Luzern

1800 CHF

Nidwalden

1800 CHF

Obwalden

1800 CHF

St. Gallen

1800 CHF

Schaffhausen

2000 CHF

Solothurn

1500 – 1700 CHF

Schwyz

2000 CHF

Thurgau

1400 – 1800 CHF

Uri

1700 CHF

Zug

1800 CHF

Zürich

1200 – 2600 CHF

Wo reicht man den Scheidungsantrag in der Schweiz ein?

Liegen Scheidungsantrag und Scheidungskonvention vor, stellt sich schnell die Frage, wo die Unterlagen eingereicht werden müssen. Welches Gericht ist zuständig? 

Sind beide Ehepartner Schweizer und möchten den Scheidungsantrag einreichen, dann müssen sie sich an das zuständige Zivilgericht am Wohnsitz eines Ehepartners wenden. Hierbei spielt es keine Rolle, ob der Kanton der Ehefrau oder des Ehemannes gewählt wird. Allerdings kann dies im Hinblick auf die Kosten eine wichtige Entscheidung sein. 

Insbesondere wenn man sich die Kosten für den Kanton Basel und Zürich genauer anschaut. Hier beläuft sich eine Scheidung auf mindestens 830 CHF in Basel und kann bereits 2600 CHF in Zürich kosten. 

Hinzukommt, dass die Gerichte von Kanton zu Kanton unterschiedlich organisiert sind. Die notwendigen Informationen erhalten Sie direkt bei den kantonalen Gerichtsbehörden oder bei einem Rechtsanwalt für Familienrecht.

Bei einer einseitigen Scheidung wird es für Ausländer in der Schweiz schwieriger. Sind Sie allerdings Ausländer kann die Scheidung in der Schweiz nur an ihrem Wohnsitz eingereicht werden, wenn Sie sich bereits seit einem Jahr in der Schweiz befinden. 

Andernfalls ist die Scheidung für Ausländer in der Schweiz nicht möglich oder muss am Wohnsitz des Ehepartners eingereicht werden. Demzufolge ist auch für Deutsche eine Scheidung in der Schweiz möglich, wenn sie sich mindestens ein Jahr in der Schweiz aufhalten.

Doch auch für Schweizer, die im Ausland leben, gibt es diesbezüglich Einschränkungen. Lebt ein Schweizer Ehepaar im Ausland, kann es sich nur dann in der Schweiz scheiden lassen, wenn es unmöglich oder unzumutbar ist, die Scheidung im Ausland zu vollziehen.

Scheidung auf einseitiges Begehren und Scheidungsklage

Sind sich die Ehepartner bezüglich der Scheidung nicht einige und widersetzt sich einer, dann muss eine Scheidung auf einseitiges Begehren eingereicht werden. 

Bei einer Scheidung auf einseitiges Begehren muss allerdings eine Scheidungsklage nach einer Trennungsphase eingereicht werden. Wie lange Trennung vor der Scheidung? Bevor die Ehe auf einseitiges Begehren geschieden werden kann, müssen die Ehepartner zwei Jahre voneinander getrennt sein. 

Die Klage kann keinesfalls vor Ablauf dieser Frist beim zuständigen Gericht eingereicht werden. Nur unter gewissen Umständen darf eine frühzeitige Einreichung erfolgen, und zwar dann, wenn eine Unzumutbarkeit vorliegt. 

Dies kann beispielsweise durch die gewalttätige Verhaltensweise eines Ehepartners oder besondere Umstände der Fall sein. Sollten Sie weiterführende Informationen zur Scheidung auf einseitiges Begehren und der Scheidungsklage benötigen, möchten wir Sie auf unseren Leitartikel verweisen.

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