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Alleiniges Sorgerecht und alleinige Obhut in der Schweiz - Ein Überblick

Vater hält Tochter im Arm
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Wer hat das Sorgerecht nach der Scheidung? Lassen sich die Kindeseltern scheiden, entscheidet das Gericht über die Obhut der Kinder. Das alleinige Sorgerecht ist in der Schweiz nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. 

Doch was ist der Unterschied zwischen elterlicher Obhut und elterlicher Sorge in der Schweiz? Warum spricht man in manchen Fällen von alleinigem Sorgerecht, alleiniger Sorge oder alleiniger Obhut? Kann man das alleinige Sorgerecht in der Schweiz freiwillig abgeben? Wann endet die elterliche Obhut?

Bevor der folgende Artikel darauf eingeht, wie man das alleinige Sorgerecht bekommt oder welche Voraussetzungen für das alleinige Sorgerecht in der Schweiz erfüllt sein müssen, werden zunächst die Begrifflichkeiten geklärt.

Inhaltsverzeichnis

Elterliche Obhut und elterliche Sorge

Was beinhaltet die elterliche Sorge und die elterliche Obhut? Die Begriffe elterliche Obhut und elterliche Sorge dürfen unter keinen Umständen miteinander verwechselt werden. Die elterliche Obhut ist ein Teilaspekt der elterlichen Sorge. 

Verheiratete Eltern üben in der Schweiz die elterliche Obhut und elterliche Sorge gemeinsam aus. Nach einer Scheidung erhält ein Elternteil das Obhutsrecht. Was ist das Obhutsrecht? 

Hierbei handelt es sich im Grunde genommen um die Befugnis, den Aufenthaltsort des Kindes sowie die Art und Weise seiner Unterbringung zu bestimmen.

Selbst wenn ein Elternteil die alleinige Obhut hat, üben beide Eltern in der Schweiz die elterliche Sorge in der Regel gemeinsam aus. 

Die alleinige elterliche Obhut gibt dem Elternteil die Befugnis, mit dem Kind zusammen zu wohnen und sich um die täglichen Belange des Kindes zu kümmern. 

Nur in seltenen Fällen wird einem Elternteil bei der Scheidung das alleinige elterliche Sorgerecht für ein Kind übertragen. Dies geschieht meist dann, wenn sich die Eltern nicht auf die gemeinsame Weiterführung der gemeinsamen elterlichen Sorge einigen können.

Was bedeutet alleinige Obhut?

Wer behält die Kinder nach der Scheidung? Nach der Scheidung wird einem Elternteil die alleinige Obhut zugeteilt, die ein Teil der elterlichen Sorge ist. Die Obhut beinhaltet die tägliche Betreuung und Pflege des Kindes. 

Demnach kann das entsprechende Elternteil entscheiden, wie das Kind seine Freizeit gestalten darf (Fernsehzeiten, Aktivitäten) und wann es ins Bett geht oder seine Hausaufgaben machen muss. 

Darüber hinaus kann der Elternteil, der die alleinige Obhut hat, auch über den Aufenthaltsort des Kindes bestimmen. Möchte der Elternteil aus beruflichen Gründen in einen anderen Kanton ziehen, steht ihm das rechtlich zu.

Der alleinigen Obhut steht die alleinige elterliche Sorge entgegen. Die wiederum einem Elternteil mehr Rechte und Pflichten einräumt.

Elterliche Obhut und alleinige Obhut

Doch Vorsicht, obschon ein Elternteil die alleinige Obhut zugesprochen bekommt und das Kind im Haushalt lebt, bedeutet dies nicht, dass das andere Elternteil keine „elterliche Obhut“ mehr hat. Die elterliche Obhut beschreibt im eigentlichen Sinne nur die Betreuungsverantwortung für das Kind. 

Somit hat auch der Elternteil, bei dem das Kind nach der Scheidung nicht wohnt, eine Betreuungsverantwortung, wenn das Kind bei ihm ist.

Hierfür werden meist andere Begriffe wie beispielsweise Besuchsrecht, persönlicher Verkehr oder alternierende Obhut verwendet. Nichtsdestotrotz hat der betreuende Elternteil auch das Recht und die Pflicht, angemessen für die alltäglichen Bedürfnisse des Kindes zu sorgen. 

Hierfür muss er den anderen Elternteil nicht einbeziehen. Prinzipiell gilt, dass jeder Elternteil sich während der Betreuungszeit nicht in die Art der Betreuung des anderen Elternteils einmischen soll (Aktivitäten, Ernährung, etc.). 

Jedoch werden diese Freiheiten dort eingeschränkt, wo das Kindeswohl gefährdet ist.

Was ist eine alternierende Obhut?

Durch die alleinige Obhut hat der Elternteil die Berechtigung, mit dem Kind in einem Haushalt zu wohnen und sich um dessen tägliche Belange zu kümmern. Wohnt das Kind überwiegend bei einem Elternteil, spricht man von alleiniger Obhut. 

Lebt es hingegen bei beiden Elternteilen, dann handelt es sich um eine geteilte oder alternierende Obhut.

Eine alternierende Obhut kann hohe Anforderungen an das Kind stellen, da es sich zwischen zwei Wohnorten bewegen muss. Somit muss es zwischen den Wohnorten pendeln und sich an verschiedene Regelungen der jeweiligen Elternteile halten. 

Demgegenüber ist es auch für die Eltern nicht immer einfach, die alternierende Obhut sinnvoll zu gestalten und durchzuführen. Hier muss die Kommunikation einwandfrei funktionieren, um wichtige Hinweise zu Schule, Hobbies etc. untereinander auszutauschen.

Was ist das alleinige Sorgerecht in der Schweiz?

Wer hat das Sorgerecht nach der Scheidung? Die elterliche Obhut ist ein Teil der elterlichen Sorge, doch wer die elterliche Sorge hat, ist gesetzlicher Vertreter des Kindes und verwaltet sein Vermögen. Welche Rechte und Pflichten hat die Mutter beim alleinigen Sorgerecht? 

Das entsprechende Elternteil trägt die Erziehungsverantwortung für das Kind und bestimmt über den Erziehungsstil sowie die Ausbildung des Kindes. Darüber hinaus muss der Elternteil das Kind schützen und pflegen, daher hat es die Befugnis für medizinische Entscheidungen.

Generell ist das gemeinsame Sorgerecht aufrechtzuerhalten, da beide Eltern an der Erziehung ihrer Kinder beteiligt sein sollen. 

Eltern mit gemeinsamer elterlicher Sorge müssen Entscheidungen gemeinsam treffen, doch bei Uneinigkeit müssen die Eltern keinen Stichentscheid haben, sondern können die zuständige Behörde entscheiden lassen.  

Das alleinige Sorgerecht wird nur in sehr seltenen Fällen der Mutter oder dem Vater zugesprochen. Allerdings müssen hierfür triftige Gründe vorliegen, denn im Fokus steht immer das Wohl des Kindes. Muss das Kind vor den Verhaltensweisen eines Elternteils geschützt werden, wird das Gericht das alleinige Sorgerecht aussprechen.

Wie bekommt man alleiniges Sorgerecht?

Wie bekomme ich das alleinige Sorgerecht? Sind die Eltern miteinander verheiratet, haben sie das gemeinsame Sorgerecht. Bei unverheirateten Eltern, die wiederum die elterliche Sorge gemeinsam ausüben möchten, muss dies zunächst beantragt werden. 

Hierfür muss eine Erklärung bei der Behörde abgegeben werden, welche bei der Kindesanerkennung beim Zivilstandesamt oder bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde eingereicht werden kann. Bis beide unverheirateten Eltern das gemeinsame Sorgerecht beantragt haben, hat die Mutter das alleinige Sorgerecht.

Waren die Eltern zuvor verheiratet, sind sie gemeinsam sorgeberechtigt. Nach der Scheidung oder Trennung kann ein Elternteil das alleinige Sorgerecht beantragen, wenn das Kindeswohl durch das andere Elternteil gefährdet ist. 

Sobald ein Elternteil das alleinige Sorgerecht hat, ist der zivilrechtliche Wohnsitz des Kindes bei jenem Elternteil.

Das alleinige Sorgerecht beantragen

Das alleinige Sorgerecht zu beantragen, ist nur unter gewissen Voraussetzungen möglich. Ist das Kindeswohl durch den Lebensstil oder die Verhaltensweisen eines Elternteils gefährdet, kann das alleinige Sorgerecht beantragt werden. 

Kann Vater das alleinige Sorgerecht beantragen? Ebenso wie die Mutter kann selbstverständlich auch der Vater das alleinige Sorgerecht beantragen, sofern die Voraussetzungen für das alleinige Sorgerecht gegeben sind. 

Das Gericht und die zuständigen Behörden beurteilen dann, inwieweit das entsprechende Elternteil das Kindeswohl gefährdet. Haben beide Elternteile das gemeinsame Sorgerecht, kann einem Elternteil das Sorgerecht entzogen werden.

Ist das Kindeswohl gefährdet und das Verbleiben des Kindes im Haushalt unzumutbar, wird das Aufenthaltsbestimmungsrecht von Amtes wegen oder auf Antrag aufgehoben. Insbesondere dann, wenn die Gefahr nicht abgewendet werden kann und es auf Wunsch des urteilsfähigen Kindes erfolgt. 

Das alleinige Sorgerecht kann auch beantragt werden, wenn eine nicht zu bewältigende Beziehungsstörung zwischen dem Elternteil und dem Kind besteht.    

Welche Voraussetzungen gelten beim alleinigen Sorgerecht in der Schweiz?

Bei den Voraussetzungen das alleinige Sorgerecht in der Schweiz zu erhalten, wird grundsätzlich zwischen der ordentlichen Entziehung von Amtes wegen durch die Kinderschutzbehörde und der vereinfachten Entziehung auf Antrag ebenfalls durch die Kindesschutzbehörde unterschieden. 

Die Kindesschutzbehörde entzieht einem Elternteil die elterliche Sorge, wenn folgende Voraussetzungen für das alleinige Sorgerecht in der Schweiz vorliegen:

  • das Kindeswohl ist gefährdet
  • mildere Massnahmen sind bisher erfolglos geblieben oder aussichtslos
  • Es liegt ein Entzugsgrund vor: Unerfahrenheit, Krankheit, Gebrechen, Ortsabwesenheit, Gewalttätigkeit oder ähnliche Gründe, welche es verhindern, dass die elterliche Sorge pflichtgemäss ausgeübt wird
  • der Elternteil hat sich nicht ernsthaft um das Kind gekümmert oder seine Pflichten gröblich verletzt
  • der Elternteil steht unter umfassender Beistandschaft oder ist minderjährig

Sind die Voraussetzungen erfüllt, um das alleinige Sorgerecht in der Schweiz zu beantragen und einem anderen Elternteil das Sorgerecht in der Schweiz zu entziehen, dann entzieht die Kindesschutzbehörde das Sorgerecht, wenn sie einen wichtigen Grund vorliegen haben. 

Dem entsprechenden Elternteil wird dann die elterliche Bestimmungsbefugnis entzogen. Wurde das Sorgerecht entzogen, kann es nicht vor Ablauf eines Jahres wiederhergestellt werden. 

Wie kann man einem Elternteil das Sorgerecht in der Schweiz entziehen?

Möchte man einem Elternteil das Sorgerecht in der Schweiz entziehen, muss man sich an die Kindesschutzbehörde wenden. Diese Behörde ist für den Entzug des Sorgerechts zuständig und entscheidet, ob die Gründe hierfür ausreichend sind. Nur unter gewissen Voraussetzungen kann das alleinige Sorgerecht in der Schweiz beantragt und einem Elternteil das Sorgerecht entzogen werden.  

Welche Vorteile hat das alleinige Sorgerecht?

Einen Vorteil bringt das alleinige Sorgerecht nur dann, wenn es dem Kind durch diese Regelungen besser geht und das Kindeswohl geschützt wird. Ansonsten bietet das alleinige Sorgerecht keinerlei Vorteile für das Kind selbst, sondern richtet mehr Schaden an. 

Aus elterlicher Perspektive mag dies anders erscheinen, da man über die Erziehung und Pflege sowie den Aufenthaltsort allein entscheiden kann, doch diese Überlegungen sollten nicht im Vordergrund stehen, wenn man das alleinige Sorgerecht in der Schweiz beantragen möchte. 

Das alleinige Sorgerecht bietet Vorteile, wenn dadurch folgende Gefahrensituationen für das Kind vermieden werden können:

  • Massive Erziehungsfehler: Liegen schwerwiegende Erziehungsfehler vor und ist der entsprechende Elternteil grundsätzlich ungeeignet, um das Kind zu schützen und zu pflegen, ist in manchen Fällen das alleinige Sorgerecht notwendig. Hierzu zählen Tobsuchtanfälle oder staatsfeindliche Erziehung (Neonazis, Anarchisten oder radikale Glaubensgemeinschaften). Doch auch übermässig hohe oder niedrige Anforderungen an das schulische Engagement können in einzelnen Fällen einen Erziehungsfehler darstellen.
  • Kindesvermögensgefährdung: Ein Elternteil muss auch das Vermögen des Kindes verwalten. Wer die Spareinlagen des Kindes veruntreut und verschwendet, gefährdet die finanzielle Situation des Kindes.
  • Misshandlung: Insbesondere bei Kindesmisshandlung wird die Kinderschutzbehörde eingreifen und das Sorgerecht entziehen bzw. einem Elternteil das alleinige Sorgerecht zusprechen. Dies gilt auch für die Misshandlung durch ältere Geschwister.
  • Sorgerechtsmissbrauch: Wird das Kind daran gehindert in die Schule zu gehen (Schulpflichtverletzung), kann das Sorgerecht auch entzogen werden. Insbesondere auch dann, wenn das Kind zu strafbaren Handlungen angestiftet wird (z.B. Diebstahl).
  • Gesundheitsgefährdung: Wird dem Kind die notwendige medizinische Behandlung verwehrt, wird nicht im Sinne des Kindes gehandelt. Dies gilt auch für die Verweigerung von Bluttransfusionen bei Frühgeburten.
  • Vernachlässigung: Wird das Kind durch ungenügende Pflege, mangelnde Ernährung, unsaubere Kleidung sowie mangelnde Aufsicht vernachlässigt, ist die Beantragung des alleinigen Sorgerechts sinnvoll.
  • Unverschuldetes Verhalten: Auch dies kann unter Umständen zu einem Entzug des Sorgerechts führen. Hierzu zählen zum Beispiel Suchterkrankungen (Drogen, Alkohol, Tabletten).
  • Gefährliches Umfeld: Damit sind die Drogen- und Prostitutionsszene sowie gefährliche radikale politische Gruppierungen gemeint.

Sorgerecht abgeben in der Schweiz

Kann man das alleinige Sorgerecht freiwillig abgeben? Sind sich die Eltern einig, dann kann der Elternteil, welches nach der Scheidung mit der alleinigen elterlichen Obhut betraut wurde, eine alternierende Obhut vereinbaren. 

Ferner können sich die Eltern auch einigen, dass das Kind im Haushalt des anderen Elternteils lebt. Haben zwei Elternteile das gemeinsame Sorgerecht, dann ist es nicht so einfach, dass Sorgerecht vollständig abzugeben, sofern hierfür keine triftigen Gründe vorliegen. Bestenfalls einigt man sich mit dem anderen Elternteil, um somit die bestmögliche Lösung für das Kind zu finden.  

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