Elterliche Sorge beantragen – Voraussetzung, Ablauf & Kosten

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Die elterliche Sorge ist ein zentraler Aspekt, wenn es um Rechte und Pflichten gegenüber den eigenen Kindern geht. In der Schweiz stellt das geteilte Sorgerecht (zwischen Mutter und Vater) den Regelfall dar – auch wenn bei unverheirateten Paaren ein Antrag gestellt werden muss. Demgegenüber ist es denkbar, dass Sie die alleinige elterliche Sorge beantragen möchten. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie die Rechtslage in der Schweiz ist, welche Möglichkeit Sie haben die elterliche Sorge zu beantragen, welche Voraussetzungen vorliegen müssen und an welche Stellen Sie sich wenden sollten.

Inhaltsverzeichnis

Rechtslage Sorgerecht / elterliche Sorge

Kommt ein Kind in der Schweiz zur Welt, so muss die gemeinsame, elterliche Sorge nicht extra beantragt werden. Trotz einer Reform des Familienrechts ist dies aber nur bei verheirateten Paaren der Fall. Sollten Sie als unverheiratetes Paar ein Kind bekommen, so ist von der Geburt an die leibliche Mutter Trägerin des alleinigen Sorgerechts. Dieser Umstand ist aber nicht immer sinnvoll, weshalb die elterliche Sorge auf Antrag dem Vater und der Mutter gemeinsam zugesprochen werden kann. Wie Sie vorgehen müssen, erklären wir Ihnen gleich!

Bei einer Scheidung gilt ebenfalls, dass sich im Regelfall nichts an der elterlichen Sorge verändert. Sind die Eltern vor der Scheidung beide Sorgerechts-Träger, so bleiben sie es auch, wenn sie sich scheiden lassen. Von der elterlichen Sorge ist jedoch die elterliche Obhut abzugrenzen:

Abgrenzung zur elterlichen Obhut

Die elterliche Obhut ist ein Teil der elterlichen Sorge. Bei einer Scheidung bleibt zwar die gemeinsame elterliche Sorge bestehen, aber die elterliche Obhut wird zumeist einem Partner allein zugewiesen. Mit elterliche Obhut ist die alltägliche Verantwortung für das Kind gemeint. Das bedeutet konkret:

  • Das Kind wohnt in der Wohnung des Elternteils mit alleiniger elterlicher Obhut
  • Entscheidungen die alltäglich oder dringend sind können von dem Elternteil mit alleiniger Obhut getroffen werden
  • Versorgung und Betreuung des Kindes

 

Die alleinige elterliche Obhut wird ausgesprochen, weil das Kind sich nicht örtlich “teilen” kann. Es kann nicht gleichzeitig bei der Mutter und beim Vater wohnen. Die elterliche Sorge umfasst Aspekte wie:

  • Erziehung und Ausbildung des Kindes
  • Verwaltung des Kindesvermögens
  • Aufenthaltsbestimmungsrecht
  • Gesetzliche Vertretung

 

Sofern also gemeinsame elterliche Sorge beantragt ist / vorliegt, kann keiner der Partner alleine über wichtige Kindes-Belange entscheiden. Das ist vor allem für Ex-Eheleute oft eine große Herausforderung, da regelmäßig Abstimmungen und Kompromisse bei Entscheidungen nötig sind.

Gemeinsames elterliche Sorge beantragen

Das gemeinsame Sorgerecht muss im Regelfall nicht beantragt werden, sondern besteht schon von der Geburt an. Da dies aber nur gilt, wenn die Partner zum Zeitpunkt der Geburt verheiratet sind, kommt es immer wieder zu “Ausnahmefällen”. 

Auch bei unverheirateten Paaren ist der Wunsch nachvollziehbar, dass der Vater ebenfalls Träger des Sorgerechts für sein leibliches Kind werden möchte.

Voraussetzungen für die Beantragung

Entscheidend, damit Sie die geteilte elterliche Sorge beantragen können, ist, dass ein Kindesverhältnis zwischen Vater und Kind besteht. Das Kindesverhältnis zwischen Mutter und Kind ergibt sich durch die Geburt auf natürlichem Wege. 

Damit der Vater und das Kind im Kindesverhältnis steht, muss die Vaterschaft entweder nach der Geburt anerkannt oder durch eine Vaterschaftsklage festgestellt werden. Weitere Voraussetzung sind:

  • Die Eltern waren zum Zeitpunkt der Geburt nicht verheiratet
  • Das Kindesverhältnis muss bestehen
  • Elternteile, die elterliche Sorge beantragen, sind volljährig und handlungsfähig
  • Örtliche Zuständigkeit: Kind muss nach der Geburt gewöhnlichen Aufenthaltsort in der Schweiz haben
  • Eine übereinstimmende Erklärung auf dem Zivilstandsamt / der Kindesschutzbehörde
  • Regelung wichtigen Angelegenheiten wie Obhut, Betreuungsanteile etc.

 

Inhalt der Erklärung ist, dass die Eltern bereit sind, die Verantwortung für das Kind gemeinsam zu übernehmen. Die gemeinsame elterliche Sorge kann beantragt oder durch eine behördliche Entscheidung herbeigeführt werden. Der normale Weg geht über eine gemeinsame Erklärung beim Zivilstandsamt. Eine Ausnahme wäre beispielsweise, wenn die Vaterschaft erst über eine Vaterschaftsklage festgestellt werden muss. Dann verfügt das Gericht in der Regel auch über die ggf. gemeinsame elterliche Sorge. Massstab ist und bleibt dabei das Kindeswohl.

Vorgehen und Zuständigkeit für gemeinsame elterliche Sorge

Grundsätzlich sollten Sie bei Ihrem Termin folgende Unterlagen dabei haben:

  • Einen gültigen Ausweis zur Identitätsfeststellung
  • Nachweis für das Kindesverhältnis von Vater und Mutter

 

Die Zuständigkeit, um die elterliche Sorge zu beantragen, ist etwas kompliziert:

Elterliche Sorge beantragen mit Kindesanerkennung

Das Zivilstandsamt, bei dem die Kindesanerkennung abgegeben wird, ist auch für das Erteilen der gemeinsamen elterlichen Sorge verantwortlich. Dies gilt aber nur dann, wenn über die elterliche Sorge unmittelbar nach der Kindesanerkennung verfügt wird.

Beispiel:

Sie und Ihre Partnerin haben vor 2 Wochen ein gemeinsames Kind bekommen, Sie sind jedoch nicht verheiratet. Das bedeutet, dass Ihre Partnerin derzeit Trägerin der alleinigen elterlichen Sorge ist. Nun müssen Sie 1. die Vaterschaft anerkennen lassen und 2. im selben Schritt / unmittelbar danach die Erklärung über die geteilte elterliche Sorge abgeben. In diesem Fall ist das Zivilstandsamt Ihr alleiniger Ansprechpartner.

Elterliche Sorge beantragen nach Kindesanerkennung

Sollten Sie zwar Ihre Vaterschaft anerkannt haben, aber damals noch nicht das gemeinsame Sorgerecht erklärt haben, so ist nicht zwingend das Zivilstandsamt zuständig. Soll die Erklärung nämlich deutlich nach Anerkennung der Vaterschaft erfolgen, so ist die Kindesschutzbehörde Ihr Ansprechpartner. Die Zuständigkeiten sind hier kantonal geregelt.

Gut zu wissen:

Es gibt übrigens keine Frist für das Beantragen der elterlichen Sorge. Sind die Voraussetzungen erfüllt, so können Sie die Erklärung bereits vor, aber auch nach der Geburt abgegeben.

Die Kosten der Beantragung

Die gemeinsame elterliche Sorge beantragen zu können, kostet nicht viel Geld. Das Zivilstandsamt erhebt hier eine Gebühr von regelmäßig 30 CHF. Dieser Betrag beinhaltet:

  • Gebühr für die Entgegennahme der Erklärung
  • Vierfache Ausfertigung der Erklärung (eine bleibt beim Zivilstandsamt)

Alleinige elterliche Sorge beantragen

Es ist durchaus denkbar, dass Sie sich das alleinige Sorgerecht für Ihr Kind wünschen. Die alleinige elterliche Sorge ist in der Schweiz jedoch der Ausnahmefall. Der Gesetzgeber hat hohe Hürden festgelegt, da der Sorgerechtsentzug ein massiver Einschnitt in die Eltern-Kind-Beziehung ist. Alleinige elterliche Sorge beantragen zu wollen, macht nur dann Sinn, wenn dem Kindeswohl andernfalls geschadet wird. Bei einer gesunden Vater-/Mutter-Kind-Beziehung kann der Entzug des Sorgerechts sonst negative Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes haben.

Alleinige elterliche Sorge beantragen in der Praxis:

In der Praxis sind die Hürden hoch. Deshalb sollten Sie das alleinige Sorgerecht nur dann beantragen, wenn es keine andere Möglichkeit gibt. Ein Anwalt für Familienrecht hilft Ihnen im Zweifelsfall Ihre Sachlage und die Voraussetzung für das Beantragen der alleinigen elterlichen Sorge zu prüfen. Außerdem sollten Sie sicherstellen, dass alle Anträge vollständig, form- / fristgerecht und bei der richtigen Stelle eingehen.

Voraussetzungen für die Beantragung

In Art. 311 ZGB ist festgelegt, unter welchen Bedingung die Kindesschutzbehörde den leiblichen Eltern das Sorgerecht entziehen darf. Daneben regelt Art. 312 ZGB den vereinfachten Ablauf für den Fall, dass die Eltern dem Entzug des Sorgerechts zustimmen. Tauglich Gründe für den Entzug der elterlichen Sorge:

  • Kindeswohlgefährdung (unterschiedliche Fallgruppen denkbar)
  • Erfolglosigkeit milder Massnahmen der Kindesschutzbehörde – der Entzug der elterlichen Sorge ist immer das letzte Mittel
  • Spezielle Entzugsgründe aus Art. 311 Abs. 1:
    • Unerfahrenheit, Krankheit, Gebrechen, Gewalttätigkeit, Abwesenheit: Die Verfehlung muss dazu führen, dass das Kind nicht pflichtgemäss betreut wird
    • Vernachlässigung und Pflichtverletzung gegenüber dem Kind
    • Beistandschaft oder Minderjährig (vgl. Art. 296 Abs. 3 ZGB)

 

Bedenken Sie, dass dem Partner nach dem Entzug des Sorgerechts keine elterlichen Befugnisse mehr zustehen. Trotzdem bleibt das Kindesverhältnis grundsätzlich bestehen. Es muss also weiter Unterhalt gezahlt werden unddem Elternteil ohne elterliche Sorge steht ein Informations- bzw. Kontaktrecht zu – sofern es keine Gründe gibt, dieses einzuschränken. Rechtsfolgen können also sein: die Mutter oder der Vater, der das Sorgerecht nicht entzogen bekommt, erhält die alleinige elterliche Sorge. Sollte beiden Eltern das Sorgerecht für das Kind entzogen werden, so wird ein Vormund eingesetzt.

Vorgehen bei Beantragung des alleinigen Sorgerechts

Wenn Sie die alleinige elterliche Sorge beantragen möchten, dann ist grundsätzlich die Kindesschutzbehörde zuständig. Das steht in Art. 315 ZGB. Dies gilt immer dann, wenn es um die:

  • Anordnung,
  • Abänderung
  • Aufhebung oder
  • den Vollzug

 

von Kindesschutzmassnahmen geht. Der Entzug des Sorgerechts ist mithin eine Kindesschutzmassnahme. Es gibt jedoch eine Ausnahme: sollte die elterliche Sorge im Zuge eines Scheidungs- oder Eheschutzverfahrens beantragt werden, so ist das betroffene Scheidungsgericht zuständig. Sollten folgende Voraussetzungen ebenfalls vorliegen, so ist die Kindesschutzbehörde “mit-zuständig”:

  • Das Verfahren bei der Kindesschutzbehörde ist bereits angehoben bevor das Scheidungsverfahren beginnt
  • Das Scheidungsgericht könnte die notwendigen Maßnahmen nicht rechtzeitig genug treffen

 

Die örtliche Zuständigkeit ergibt sich aus Art. 315 Abs. 1 ZGB. Demzufolge ist die Kindesschutzbehörde am Wohnsitz des Kindes zuständig. Ausnahmefälle sind in Abs. 2 und Abs. 3 geregelt.

Wie kann ein Anwalt helfen?

Eingriffe und Veränderungen, die das Sorgerecht betreffen, sind für Eltern und Kinder eine problematische Sache. Besonders wenn es darum geht, dass ein Elternteil die alleinige elterliche Sorge beantragen möchte, sind hohe Voraussetzungen zu erfüllen. Ihr Anwalt für Familienrecht berät Sie bezüglich Ihrer Möglichkeiten und findet gemeinsam die perfekte Strategie für Ihre Lebenslage und Ihr Kind / Ihre Kinder.

Ganz allgemein sollte es bei einem Sorgerechtsstreit nie um die persönlichen Belange der Eltern, sondern um das Kindeswohl gehen. Ein Anwalt für Familienrecht unterstützt Sie zu Ihrem Recht zu kommen. In vielen Fällen bietet sich auch eine geführtes Streit-Gespräch an, um zu einer einvernehmlichen und zufriedenstellenden Lösung zu kommen (Mediation). Andererseits gilt es in Extremsituationen, in denen beispielsweise das Kindeswohl gefährdet wird, schnell zu handeln!

Ihr Anwalt unterstützt Sie von der Prüfung Ihrer Sachlage, über die Zuständigkeit und Antragstellung beim Zivilstandsamt / Kindesschutzbehörde, bis hin zur gerichtlichen Durchsetzung eines alleinigen Sorgerechts.

Fragen zur Beantragung der elterlichen Sorge?

Unsere erfahrenen Partneranwälte informieren und beraten Sie ausführlich und gehen hierbei auf ihre persönliche Situation ein. Die Wahrung ihrer Interessen und Rechte wird somit gewährleistet.

FAQ: Elterliche Sorge beantragen

Die elterliche Sorge umfasst Bereiche wie die Erziehung des Kindes, die rechtliche Vertretung, die Verwaltung des Vermögens und das Aufenthaltsbestimmungsrecht. Bei einer Scheidung bleibt die gemeinsame elterliche Sorge erhalten. Lediglich die elterliche Obhut wird einem Partner zumeist allein zugesprochen.

Bei verheirateten Paaren ist der Vater von der Geburt an Träger der elterlichen Sorge. Bei unverheirateten Paaren muss die elterliche Sorge beantragt werden. Hierfür ist notwendig, dass die Vaterschaft beim Zivilstandsamt anerkannt wird. Ist dies geschehen, so können Sie direkt im Anschluss – ebenfalls beim Zivilstandsamt – die Erklärung über die gemeinsame elterliche Sorge abgeben. Sollte diese zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen, so müssen Sie sich an die zuständige Kindesschutzbehörde wenden.

Die elterliche Sorge muss in der Schweiz grundsätzlich nur dann beantragt werden, wenn die leiblichen Eltern nicht sowieso schon Kraft Gesetzes oder aus natürlichen Verhältnissen Träger des Sorgerechts sind. Das ist regelmäßig der Fall, wenn die Eltern bei der Geburt nicht verheiratet sind. Hier muss erst das Kindesverhältnis zwischen Vater und Kind durch eine Vaterschaftsanerkennung bestätigt werden.

Wenn die Partner bei der Geburt des Kindes nicht verheiratet sind, so übernimmt das Kind von der Geburt an den Namen der Mutter. Diese ist auch die alleinige Trägerin des Sorgerechts. Der Vater muss die Vaterschaft erst auf dem Zivilstandsamt anerkennen. Im Anschluss daran, können Sie die gemeinsame elterliche Sorge erklären.

Ein Beitrag der juristischen Redaktion

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