Anwalt für Familienrecht oder Scheidung benötigt?
1. Passenden Anwalt in Ihrer Region in unserem Verzeichnis suchen
2. Anwaltsprofile miteinander vergleichen
3. Mit ausgewähltem Anwalt Kontakt aufnehmen

Sorgerecht für Kinder – Obhut und elterliche Sorge im Überblick

Vater mit Sohn
Share on whatsapp
Teilen
Share on email
Email senden

Wer bekommt das Sorgerecht und bei welchem Elternteil bleibt das Kind? Meist wird das Sorgerecht für die Kinder als allgemeiner Begriff für unterschiedliche Aspekte gebraucht. 

Im Rahmen des Sorgerechts für Kinder muss zwischen dem Besuchsrecht, der elterlichen Sorge und der Obhut unterschieden werden. Des Weiteren unterscheidet man zwischen alleiniger, gemeinsamer und alternierender Sorge. 

Was ist das gemeinsame Sorgerecht und was sind die Voraussetzungen für das alleinige Sorgerecht in der Schweiz? Unter welchen Umständen kann das Sorgerecht in der Schweiz entziehen?

Der folgende Artikel beantwortet Ihnen alle Fragen rund um das Thema Sorgerecht für die Kinder in der Schweiz und erläutert dabei die Unterschiede zwischen den einzelnen Begriffen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Unterschied zwischen elterlicher Sorge und Obhut?

Verheiratete Eltern haben das gemeinsame Sorgerecht, welches nach der Scheidung in der Regel das Sorgerecht geklärt werden. Doch was ist der Unterschied zwischen Sorgerecht bzw. elterlicher Sorge und Obhut? Geht es um die Betreuungszeit und den Wohnort, dann spricht man von der Obhut. Was beinhaltet die elterliche Sorge und die elterliche Obhut? Der Elternteil, der die elterliche Obhut hat, entscheidet über den Aufenthaltsort und die alltäglichen Fragen des Kindes. Demnach wohnt der Elternteil mit der alleinigen elterlichen Obhut mit dem Kind in einem Haushalt zusammen.

Alleinige Obhut und Sorgerecht

Im Grunde genommen ist die elterliche Obhut ein Teil der elterlichen Sorge. Was ist das Obhutsrecht? Bei verheirateten Eltern werden beide Aspekte von beiden Elternteilen übernommen, doch bei einer Scheidung muss festgelegt werden, wer die Obhut bekommt. Obschon ein Elternteil nach der Scheidung die alleinige Obhut erhält, ist dies nicht mit dem alleinigen Sorgerecht zu verwechseln. 

Denn trotz alleiniger Obhut eines Elternteils haben die meisten Eltern die gemeinsame elterliche Sorge. Der Elternteil ohne alleinige Obhut hat demgegenüber ein Besuchsrecht und das Recht auf persönlichen Verkehr. 

Das gemeinsame Sorgerecht ist nach der Scheidung der Regelfall und nur in Ausnahmefällen und unter bestimmten Umständen kann das alleinige Sorgerecht durchgesetzt werden. 

Im Fokus der Entscheidungen steht das Kindeswohl, daher soll die Beziehung zu beiden Elternteilen aufrecht erhalten bleiben, sofern das Kindeswohl nicht durch einen Elternteil gefährdet ist.      

Was ist die alternierende Obhut?

Von einer alternierenden Obhut spricht man, wenn die Obhut auf beide Elternteile geteilt ist. Somit betreuen die Eltern die Kinder die gleiche Zeit, wobei die Regelungen sich auf Wochen oder Tage beziehen können. 

Das Kind wohnt somit bei beiden Eltern und wechseln seinen Wohnort in regelmässigen Abständen. Im Wechselmodell der alternierenden Obhut verbringen die Kinder im Idealfall gleich viel Zeit mit den Eltern, d.h. beide Elternteile je 50 %. In diesem Fall können die Kinder abwechselnd mit beiden Eltern ihren Alltag gestalten. 

Die alternierende Obhut kann durch ein Gericht angeordnet werden, sofern die Beteiligten dies wünschen. Allerdings müssen spezifische Kriterien erfüllt werden.

Welche Voraussetzungen müssen für eine alternierende Obhut erfüllt sein?

Damit die alternierende Obhut vom Gericht genehmigt werden kann, müssen die folgenden Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Kindeswohl: Das Kind darf durch die Regelungen nicht zusätzlich belastet werden (Weg zur Schule, Freizeitgestaltung).
  • Erzieherische Fähigkeiten der Eltern
  • Fähigkeit und Bereitschaft zur Kommunikation bzw. Kooperation der Eltern
  • Kindeswünsche: Möchte das Kind diese Regelung?

Auch bei der alternierenden Obhut kann das Kind nur einen Wohnsitz haben. Die Regelungen zur alternierenden Obhut müssen in einer schriftlichen Vereinbarung festgehalten werden. Genannt werden müssen auch die finanziellen Unterhaltsbeiträge der Eltern. 

Bei großen Einkommensunterschieden muss der besserverdienende Ehepartner Kindesunterhalt zahlen oder gewisse Kosten übernehmen. 

Sind sich die Eltern bezüglich der alternierenden Obhut einig, hört sich der Richter die Stellungnahme des Kindes an und genehmigt die Regelungen.

Das Sorgerecht für Kinder im Allgemeinen

Minderjährige Kinder stehen bis zu ihrer Volljährigkeit unter der elterlichen Sorge. Die gemeinsame elterliche Sorge ist dabei sowohl während einer Ehe als auch nach der Scheidung der Regelfall. In einem Scheidungsurteil wird daher kein Sorgerecht mehr zugesprochen, sondern lediglich die alleinige elterliche Obhut sowie der persönliche Verkehr (Besuchsrecht) für den anderen Elternteil. 

Falls sich die Eltern diesbezüglich nicht einigen, legt das Gericht die Betreuungsanteile fest. Wird das Kindeswohl gefährdet, wird die elterliche Sorge einem Elternteil vom Gericht zugesprochen. Jedoch stellt das alleinige Sorgerecht eher die Ausnahme dar.   

Was umfasst das Sorgerecht für Kinder allgemein? Das Sorgerecht ist das Recht und die Pflicht der Eltern für ihr Kind zu sorgen. 

Dies betrifft zum einen die Personen- und zum anderen die Vermögenssorge. 

Im Rahmen der persönlichen Sorge geht es um das Wohl des Kindes, welches die Erziehung, Pflege, Beaufsichtigung und alle Entscheidungen über ärztlichen Behandlungen betrifft. Inbegriffen ist auch die Bestimmung des Aufenthaltsorts. 

Im Hinblick auf die Vermögenssorge wird das Taschengeld, Schenkungen und eine Erbschaft des Kindes verwaltet. 

Das gemeinsame Sorgerecht in der Schweiz

Verheiratete Ehepaarte erhalten mit der Geburt des Kindes das gemeinsame Sorgerecht, wobei unverheiratete zunächst eine Erklärung abgeben müssen. Bis zur Abgabe dieser Erklärung hat die Mutter das alleinige Sorgerecht. Auch bei einer Scheidung bleibt das gemeinsame Sorgerecht bestehen.

Für das Kindeswohl soll eine enge und gute Beziehung zu beiden Elternteilen gefördert werden. Hierzu zählt auch eine eigenständige Beziehung zu jedem Elternteil sowie stabile und verlässliche Betreuungsverhältnisse und finanzielle Sicherheit. 

Aus diesem Grund wurde von der schweizerischen Rechtsprechung die gemeinsame elterliche Sorge im Jahre 2014 eingeführt. Nur in Ausnahmefällen kann das alleinige Sorgerecht in der Schweiz veranlasst werden.

Bei einer Scheidung bleibt das gemeinsame Sorgerecht bzw. die gemeinsame elterliche Sorge bestehen. 

Bei einer Scheidung auf gemeinsames Begehren können die Ehepartner in einer Scheidungskonvention vereinbaren, wie sich das Sorgerecht gestalten soll. Können sich die Ehepartner einigen, prüft das Gericht die Regelungen. Sind sich die Eltern nicht einig über die Ausübung und den Umfang des Sorgerechts entscheidet das Scheidungsgericht. 

Eine außergerichtliche Einigung ist stets anzustreben.

Das alleinige Sorgerecht in der Schweiz

Wie bekommt man das alleinige Sorgerecht in der Schweiz? Das alleinige Sorgerecht ist in der Schweiz eher selten und wird nur unter besonderen Umständen gewährt. Voraussetzungen für das alleinige Sorgerecht in der Schweiz ist die Kindeswohlgefährdung.  

Liegen schwerwiegende Gründe wie Kindesmisshandlung oder körperliche Misshandlung durch einen Elternteil vor, kann ein Elternteil das alleinige Sorgerecht beantragen. Weitere Gründe sind schwerwiegende und fehlende Erziehungskompetenz und Fehlverhalten wie Tobsuchtsanfälle oder eine staatsfeindliche Erziehung sowie Kindesvermögensgefährdung durch die Verwendung der Sparanlagen des Kindes. 

Aber auch Vernachlässigung, schwere Alkohol- oder Drogenabhängigkeit, eine Haftstrafe oder ein gefährliches Umfeld sind Gründe, um einem Elternteil das alleinige Sorgerecht in der Schweiz zuzusprechen. Gleichzeitig sind es die Voraussetzungen, um das alleinige Sorgerecht in der Schweiz zu beantragen.    

Kann man das Sorgerecht abgeben in der Schweiz?

Kann man das alleinige Sorgerecht freiwillig abgeben? Sind sich die Ehegatten einig, dann kann der Elternteil, welches nach der Scheidung die alleinige elterliche Obhut erhielt, eine alternierende Obhut mit dem anderen Elternteil vereinbaren. 

Darüber hinaus können die Eltern auch vereinbaren, in welchem Haushalt das Kind leben soll. Haben beide Elternteile das gemeinsame Sorgerecht, dann ist es nicht einfach, das Sorgerecht in der Schweiz abzugeben, denn hierfür müssen triftigen Gründe vorliegen. 

Da das Kindeswohl im Fokus des Gesetzgebers steht, ist es wichtig, dass die Beziehung zu beiden Elternteilen gefördert werden.  

Besuchsrecht und persönlicher Verkehr

Es wird zwischen den Begriffen Obhut (Betreuungsanteil) und persönlicher Verkehr unterschieden. Das Elternteil, welches nicht mit der alleinigen elterlichen Obhut vertraut ist, hat ein Recht auf persönlichen Verkehr (Besuchsrecht). 

Als persönlichen Verkehr bezeichnet man den Zeitraum, den ein Kind mit dem Elternteil verbringt, das nicht die alleinige elterliche Obhut nach einer Scheidung hat. Von Betreuungsanteilen spricht man, wenn das Kind mit beiden Eltern in häuslicher Gemeinschaft lebt.

Hierbei handelt es sich aber um ein gegenseitiges Recht, welches auch dem Kind zusteht. Das Besuchsrecht dient zur Pflege des elterlichen Kontakts und dem konstanten Aufbau einer persönlichen Beziehung. 

Das Kindeswohl steht dabei im Fokus, wohingegen das Interesse der Eltern zurückzustellen ist. Die Eltern können die Besuchsregel selbst vereinbaren.

Meist wird je nach Alter des Kindes eine Besuchsregel von 2 Wochenenden im Monat vereinbart. In den Ferien wird beim gemeinsamen Sorgerecht in der Schweiz meist 2 bis 3 Wochen pro Jahr Besuchsrecht vereinbart. Für die Feiertage können auch individuelle Regelungen getroffen werden.  

Was geschieht, wenn das Besuchsrecht nicht eingehalten wird?

Im Interesse des Kindes sollte dem anderen Elternteil nicht der Umgang mit dem Kind verwehrt werden. Sollten Diskrepanzen auftreten, dann kann die Kindesschutzbehörde den Eltern Weisungen geben und sie zur Einhaltung der Regelungen ermahnen. Wird das Kindeswohl gefährdet, wird das Recht auf persönlichen Verkehr verweigert oder entzogen.  

Weitere Beiträge die Sie interessieren könnten..
033 ratings