Unterhalt einklagen – Rechtslage, Ablauf & Zuständigkeit

Zahlt ein Ehepartner den Unterhalt nicht, stellt sich die Frage: was tun? In der Schweiz gibt es unterschiedliche Möglichkeiten auf das Ausbleiben einer Unterhaltszahlung zu reagieren. Sie haben in jedem Fall die Möglichkeit den Unterhalt einklagen zu können, der Ihnen zusteht – Unterhaltsklage vor Gericht. Dabei erhalten Sie sogar Unterstützung von unterschiedlichen Stellen / Behörden. In diesem Beitrag stellen wir Ihnen Ihre Möglichkeiten vor, klären die Zuständigkeiten und verraten Ihnen, wie ein Anwalt Ihnen helfen kann, den Unterhalt einzuklagen!

Inhaltsverzeichnis

Rechtslage: Unterhalt einklagen

Wenn Sie den Unterhalt einklagen möchten, dann brauchen Sie einen rechtlichen Grund (auch Unterhaltstitel genannt). Ansonsten hat die Unterhaltsklage keine Aussicht auf Erfolg. Der Anspruch wird meist in einem Urteil oder einem Unterhaltsvertrag festgehalten. Bevor Sie also klagen können, müssen Sie sichergehen, dass Ihnen der Kindesunterhalt auch wirklich zusteht. Andernfalls bekommt Ihr Klagegegner recht.

In den meisten Fällen gibt es eine Vereinbarung über die Zahlungen von Kindesunterhalt. Die Vereinbarung ist ein Unterhaltsvertrag, eine Vereinbarung im Zuge der Scheidung oder ein Urteil. In diesen Dokumenten ist auch die Höhe des Kindesunterhalt festgelegt. Hier erwächst regelmäßig ein gerichtlich durchsetzbarer Anspruch. Lassen Sie sich am besten von einem Anwalt für Familienrecht beraten. Dieser steht Ihnen auch bei Fragen zum Prozess der Inkassohilfe, Betreibungen oder ggf. einem Strafverfahren zur Seite.

Hilfe bei ausstehenden Unterhaltszahlungen

Damit Sie aber nicht “im Regen stehen” sollte der Unterhaltspflichtige mal nicht zahlen, gibt es in der Schweiz Hilfe, um an den Unterhalt zu kommen. Auf der einen Seite gibt es eine kantonale Inkassohilfe und auf der anderen Seite ist eine Bevorschussung des Unterhaltes möglich. Gegen den Unterhaltspflichtigen Ex-Partner kann eine Betreibung in Gang gebracht werden und im Extremfall drohen ihm / ihr sogar strafrechtliche Konsequenzen.

Inkassohilfe

Die einzelnen Kantone bieten eine Inkassohilfe für den Kindesunterhalt an. Dort müssen Sie sich melden. Die Inkassohilfe treibt den geschuldeten Vertrag dann in Ihrem Namen ein und zahlt ihn an Sie aus. Besonders praktisch ist, dass Sie nicht in Vorleistung gehen müssen, da die Inkassohilfe unentgeltlich ist. Grundsätzlich hat nicht nur der Ehegatte ein Recht auf den Unterhalt (beispielsweise nach Scheidung), sondern auch das Kind selbst. Kümmert sich also beispielsweise eine Mutter nicht um die Durchsetzung des Unterhaltstitel, so kann auch das Kind den Anspruch über Umwege geltend machen. Jedenfalls fallen für Sie keine hohen Kosten für die Durchsetzung des Unterhaltstitels an. Die örtliche Zuständigkeit bestimmt sich nach dem Wohnsitz des Unterhaltsberechtigten. Das ist zumeist der Kanton in dem Sie leben. Dort müssen Sie Ihr Gesuch mit gültigem Rechtstitel und einem Schriftenempfangsschein einreichen, um die Zahlung zu erzwingen.

Voraussetzung für die Inkassohilfe

Damit die Inkassohilfe Ihnen helfen kann, müssen Sie einen gültigen Unterhaltstitel vorlegen. Das kann ein Urteil, ein Entscheid oder ein von der Vormundschaftsbehörde oder dem Gericht genehmigter Unterhaltsvertrag sein.

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Bevorschussung

Das Recht auf Bevorschussung kommt ggf. dem unterhaltsberechtigten Kind zu. Das Kind kann davon gebrauch machen, wenn die Eltern den Unterhalt gar nicht, teilweise oder nicht rechtzeitig bezahlen. Die Zahlung der Alimentenbevorschussung wird kantonal geregelt, kann aber schließlich von der unterhaltsverpflichteten Person in voller Höhe wieder eingefordert werden. Die genauen Voraussetzungen ergeben sich aus §§ 44 ff. Sozialhilfegesetz und §§ 28 ff. Sozialhilfeverordnung.
Wie vorgehen bei einer Bevorschussung?

Wenn Sie die Bevorschussung für Ihr Kind beantragen möchten, dann müssen Sie sich an die Einwohnergemeinde melden und alle notwendigen Unterlagen einreichen. Eine Liste mit allen benötigten Dokumenten finden Sie meist auf der entsprechenden Internetpräsenz oder Sie bekommen sie auf Anfrage. Bei Fragen und Unsicherheit ist es immer ratsam sich von einem Rechtsanwalt für Familienrecht beraten zu lassen. Ein Anwalt hilft Ihnen bei Unterhaltsstreitigkeiten zu Ihrem Recht zu kommen - egal ob es um eine Unterhaltsklage oder die Festsetzung der Höhe der Unterhaltszahlungen geht!

Schuldneranweisung

Die Schuldneranweisung ist ein effektiver Weg an den Unterhalt zu kommen, wenn der Ex-Ehegatte nach der Scheidung die Zahlung trotz Möglichkeit der Leistung verweigert. Das bedeutet: Ihr Ex-Partner geht einer festen Arbeit nach und hat regelmäßig ein ausreichendes Einkommen. Trotzdem zahlt er den Unterhalt nicht.Sie können einen Antrag auf Schuldneranweisung bei Gericht stellen. Häufig wird diese auch im Rahmen eines Unterhaltsprozesses angewiesen. Aber welche konkreten Auswirkungen hat das? Bei einer Schuldneranweisung überweisst der Arbeitgeber des Unterhaltspflichtigen direkt den Unterhalt vom Einkommen / Lohn an den Unterhaltsberechtigten. So hat der Verpflichtete gar keine Möglichkeit den Kindesunterhalt nicht zu zahlen, da Betrag ihm in voller Höhe vom Einkommen abgezogen wird. Ein effektiver Weg den Unterhalt einzuklagen mit regelmäßig geringen Kosten.

Betreibung

Die Betreibung kommt immer dann in Frage, wenn ein bereits fälliger Unterhaltsbeitrag eingeklagt werden soll. Das Betreibungsrecht ist dabei ein eigenes Gebiet. Es gibt in der Schweiz kantonale Betreibungsämter. Bei Unterhaltsforderungen ist immer das Betreibungsamt zuständig, in welchem der unterhaltspflichtige Elternteil wohnt.

Beispiel: Sie wohnen in Zürich und Ihr Partner zieht nach der Scheidung nach Basel-Stadt. Wenn Sie den betreibungsrechtlichen Weg gehen, dann müssten Sie sich an das Betreibungsamt in Basel-Stadt wenden. Wollen Sie jedoch eine Inkassohilfe in Anspruch nehmen, müssen Sie sich an die Inkassohilfe Zürich wenden.

Problematisch ist, dass bei der Betreibung der Unterhalt nicht sofort ausgezahlt wird. Weigert sich der Schuldner weiter, so muss das gesamte Betreibungsverfahren durchlaufen werden. Letztes Mittel, wenn der Schuldner nicht zahlen will, ist dann die Pfändung.

Strafverfahren – strafrechtliche Konsequenzen beim Unterlassen der Unterhaltszahlungen

Im Extremfall kann der Unterhaltsberechtigte einen Antrag auf Strafverfolgung bei der Staatsanwaltschaft stellen – Art. 217 StGB (Vernachlässigung der Unterhaltspflicht). Voraussetzung ist, dass der Pflichtige den Unterhalt nicht zahlt. Ausserdem muss der Unterhaltspflichtige auch leistungsfähig bezüglich des Kindesunterhalt sein. Bedenken Sie hier, dass eine strafrechtlicher Prozess keine Auswirkung auf die Unterhaltszahlung hat. Auch bei rechtskräftiger Verurteilung, hilft das nicht Ihren Unterhaltsanspruch durchzusetzen. Eine Strafanzeige ist dementsprechend ungeeignet, um den Unterhalt vom anderen Elternteil einklagen zu können. Eine Unterhaltsklage hat hier schon mehr Aussicht auf Erfolg.

An wen müssen Sie sich wenden?

Grundsätzlich ist zumeist die Behörde zuständig, in welcher der / die Unterhaltsberechtigte(r) lebt, der / die den Kindesunterhalt einklagen möchte. Die Gerichte sind je nach Kanton unterschiedlich organisiert und dementsprechend sind auch die Abläufe nicht immer gleich. Im Zweifel sollten Sie im Voraus nachfragen, welche Behörde für Ihren Fall zuständig ist. Lediglich, wenn Sie ein Betreibungsbegehren veranlassen möchten, müssen Sie sich an das Betreibungsamt am Wohnsitz des Unterhaltsverpflichteten wenden. Aber egal welche Stelle zuständig ist: stellen Sie stets sicher, dass Sie einen durchsetzbaren Unterhaltstitel vorweisen können. Der Anspruch muss bestehen, um den Unterhalt einklagen zu können.

Wie kann ein Anwalt helfen?

Besonders dann, wenn der Unterhalt nicht gezahlt wird, macht es sich bezahlt, wenn Sie einen kompetenten Rechtsbeistand an ihrer Seite haben. Die unterschiedlichen Möglichkeiten den Unterhalt einklagen zu können, haben ihre Vor- und Nachteile. Je nach Einzelfall eignet sich der eine oder der andere Weg besser.Ein Anwalt für Familienrecht hilft Ihnen den Anspruch auf die passende Art und Weise durchzusetzen und den Unterhalt schlussendlich mit Erfolg einzuklagen. Das beginnt bei einem Erstgespräch, geht über eine Situationsanalyse bis hin zum perfekten Lösungsansatz. Auch bei Fragen bezüglich der Zuständigkeit oder einzureichender Dokumente unterstützt Sie ein Anwalt.

Ist der Weg nun klar, wählen Sie gemeinsam das richtige Verfahren und reichen die nötigen Unterlagen bei der zuständigen Behörde ein. Die Kosten, um den Unterhalt einklagen zu können, sind insgesamt recht gering. Das liegt vor allem daran, dass die Kantone die unentgeltliche Inkassohilfe zur Verfügung stellen. Ein Anwalt für Familienrecht verhilft zu einer schnellen, rechtssicheren Lösung! Der Anwalt prüft ebenfalls, ob rückwirkend Forderungen durchgesetzt werden können und wie sich das Einkommen des anderen Elternteils auf den Unterhaltstitel auswirkt.

Fragen zum Thema Unterhalt einklagen?
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FAQ: Unterhalt einklagen

Wenn der Vater des Kindes den Unterhalt trotz Verpflichtung nicht leistet, haben Sie unterschiedliche Möglichkeiten vorzugehen, um den Unterhalt einklagen zu können (Unterhaltsklage):

  • Inkassohilfe in Anspruch nehmen + Voraussetzung für Bevorschussung prüfen lassen und ggf. beantragen
  • Betreibungsverfahren oder Schuldneranweisung
  • Strafverfahren wegen Vernachlässigung der Unterhaltspflicht

Im Endeffekt läuft es aber darauf hinaus, dass der Unterhalt trotzdem vom Unterhaltspflichten gezahlt wird. Die Ämter / Stellen kümmern sich lediglich um das Eintreiben des geschuldeten Geldes – auf Grundlage des Unterhaltstitels in vereinbarter Höhe.

Wenn Sie den betreibungsrechtlichen Weg einschlagen möchten, dann müssen Sie sich an das Betreibungsamt am Wohnsitz des unterhaltspflichtigen Elternteil wenden. Wichtig: prüfen Sie am besten nochmal die Anschrift Ihres Ex-Partners, bevor Sie den Antrag beim Amt einreichen. Fehlgeschlagene Zustellungen sind ärgerlich, aber leider keine Seltenheit. Das verursacht Kosten und einen Verzug bei der Durchsetzung des Unterhaltstitel.

Damit der Unterhalt überhaupt eingeklagt werden kann, muss ein vollstreckbarer Anspruch bestehen. Der Unterhalt wird zumeist durch ein Urteil, einen Beschluss oder einen Unterhaltsvertrag festgelegt (hier werden auch die Höhe des Kindesunterhalt und Zahlungsmodalitäten vereinbart). Der Unterhaltsvertrag muss von der Vormundschaftsbehörde oder einem Gericht genehmigt worden sein. Besteht ein solcher Anspruch, sollten Sie sich rechtlichen Beistand bei einem Fachanwalt für Familienrecht suchen und das von Ihnen gewünschte Verfahren auswählen. Zumeist ist das die Anfrage bei der unentgeltlichen, kantonalen Inkassohilfe.

Ein Beitrag unserer juristischen Redaktion
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